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Präsentation WERK-BUCH / ŒUVRE D’ARTISTE 2024

Bücher spielen im Kunst- und Kulturschaffen nach wie vor eine wichtige Rolle. Sie sind Dokumentations- und Reflexionsmedium, dienen als Vermittlungsinstrumente und Überblickswerke. Im Gegensatz zu Ausstellungen von begrenzter Dauer sind Bücher beständig und trotzen der Vergänglichkeit.

Mit der Reihe WERK-BUCH / ŒUVRE D’ARTISTE unterstützt der Kanton Bern alle zwei Jahre bernische Kunst-, Fotografie- und Architekturschaffende sowie Kunstvermittelnde massgeblich bei der Herausgabe einer Publikation. Die Vergabe erfolgt aufgrund von Bewerbungen. Die Kulturförderung des Kantons Bern hat 2024 auf Empfehlung der kantonalen Kunstkommission fünf Projekte ausgewählt. 

ROHLING

Atelier – Kollektiv – Outside – Akademie
Sophie Brunner, Diego Roveroni et al.
Edition Cladestin, Biel/Bienne, Basel

Das 2012 gegründete Projekt Rohling unterstützt Kunstschaffende mit Assistenzbedarf, um sie in ein Netzwerk und einen erweiterten Kunstdiskurs einzubinden. Es bietet eine Infrastruktur im Kulturzentrum PROGR, verwaltet Werke und übernimmt die Administration und Kommunikation nach aussen. Rohling ist Atelier, Begegnungsort und Bildungsinstitution. Gleichzeitig fungiert es als Galerie und schafft Schnittstellen.

In dieser Publikation ist die vielseitige Arbeit von Atelier Rohling dokumentiert, vermittelt und eingeordnet. Gleichzeitig bietet das Buch einen Überblick über die Kunst von u. a. Clara Isabel Baumann Gama, Marco Glauser, Pia Heim, Philomena Heinel, David Jacot, Christoph Marti, Sandrine Mbala, Clemens Wild und Jürg Zesiger, die im Rahmen des Ateliers entsteht.

HARVEST

Eine kuratorische Ernte / Une récolte curatoriale
Beth Dillon, Vera Trachsel
Edition Haus am Gern, Biel/Bienne

In den Jahren 2021–2023 leiteten Beth Dillon (*1987) und Vera Trachsel (*1988) den Espace Libre in Biel, einen Kunstraum der Visarte. Beide selbst Kunstschaffende, kuratierten sie in dieser Zeitspanne diverse Ausstellungen, organisierten Events, waren Gastgeberinnen einer künstlerischen Community, die sich um sie formierte.

Das Buch ist sowohl Dokumentation und Reflexion als auch Leitfaden – ein experimenteller Katalog «zwischen Archiv und Forschungstagebuch», wie Dillon und Trachsel schreiben. Inhalt und Struktur der Publikation stützen sich auf die vielfältigen Bedeutungen des Begriffs «Ernte». In diesem Zusammenhang bedeutet «Ernte» den Akt des Sammelns von Informationen, Erfahrungen und Verbindungen, die im Laufe eines kulturellen Produktionszyklus entstanden sind. Zugleich bezieht sich «Ernte» auch auf die Ergebnisse dieses Prozesses: eine Fülle von Ressourcen, die mit anderen geteilt werden können und andere Praktiken und Räume nähren.

UNTITLED PAINTINGS

Marius Lüscher
Snoek, Köln

Marius Lüschers (*1974) primäres Medium ist die Malerei, seit über 30 Jahren arbeitet er aber auch in verschiedenen Drucktechniken und Fotografie, was wiederum Einfluss auf seine Malerei hat.

Das Buch erlaubt es, das Zusammenspielen unterschiedlicher künstlerischer Techniken nachzuvollziehen, und zeigt die Entwicklung von Formen über mediale Grenzen hinweg. In seinem Essay leitet der Kunsthistoriker Dieter Schwarz Lüschers Position über die abstrakten Gemälde des amerikanischen Künstlers Frank Stella her. Diese seien in sich schlüssig und der Maler ziele auf nichts als die Sache selbst: die Notwendigkeit der Malerei, vollkommen frei von symbolischer Bedeutung. So auch Lüscher, der in seinen jüngeren Arbeiten im Grunde noch einen Schritt weitergeht, indem er auf geometrische Formenensembles verzichtet.

ALL OF US

Irene Schubiger
Scheidegger & Spiess, Zürich

Irene Schubigers (*1948) vorwiegend konzeptuelle und prozessorientierte Praxis einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ist das Ziel der vorliegenden Monografie. Durch das Buch hindurch folgen wir Schubiger von Bild zu Bild bei der Formfindung ihrer plastischen Objekte, schauen zu, wie sie von einem zum nächsten kommt, oftmals mit feinem Humor und geistreichen, überraschenden Analogien.

Skulpturen, Objekt- und Konzeptkunst in Form einer Publikation zu vermitteln, ist ein gewagtes, oft schon gescheitertes Unterfangen. Diesem Buch gelingt der Drahtseilakt durch konsequente Werkfotografie, eine schlüssige Dramaturgie in der Bildfolge und nicht zuletzt durch eine allgemeine Vertrautheit mit den Materialien, die Schubiger nutzt, aus der Alltagswelt. Das Buch lässt Karton und Pappe, Gips und Klebeband, Zeitung, Kleister und Ziegelsteine und die Kombination von alledem spürbar werden.

MINDMAPS

George Steinmann
Hirmer, München

Seit vielen Jahren entwickelt George Steinmann (*1950), visueller Künstler, Musiker und Forscher, seine Arbeiten im Spannungsfeld von Kunst, Wissenschaft und Spiritualität, ausgehend von natürlichen Materialien und Substanzen, wie Beeren, Pilzen, Hölzern und Steinen, die er auf Streifzügen durch die Landschaft sammelt.

Die Monografie fokussiert auf die Werkgruppe von Steinmanns Mindmaps, «Schriftstücke und Zeichnungen zugleich», wie die Autorinnen Isabel Zürcher und Katrin Sperry schreiben. Inhaltlich sind die Blätter Auseinandersetzungen mit den grossen Herausforderungen unserer Zeit, der Ökologie, unseres Zusammenlebens in einem auf vielen Ebenen kollabierenden System. Gleichzeitig werden sie als Träger menschlichen Wissens mit den energetischen Essenzen der Natur konfrontiert. Wohl in unterschiedlichen Techniken, sind die Mindmaps in nahezu gleichem Format umgesetzt, etwas kleiner als DIN A4, was ihre Reproduktion in Originalmassen erlaubt.

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