Der Archäologische Dienst des Kantons Bern hat in Brienzwiler eine Haushälfte bauarchäologisch unter die Lupe genommen. Diese stellte sich als eines der ältesten ländlichen Wohnhäuser im Kanton Bern heraus – eine Türe mit prunkvollem Schloss gibt aber immer noch Rätsel auf.
Das Gebäude liegt in der Gemeinde Brienzwiler, östlich des weithin bekannten Freilichtmuseum Ballenbergs, zentral an der Kreuzung Dorfstrasse – Kreuzgasse. Im Gegensatz zu den umliegenden, teils mit Inschriften und Verzierungen geschmückten Häusern setzt es sich durch seine schlichte Gestalt ab. In Absprache mit der Denkmalpflege des Kantons Bern dokumentierte der Archäologische Dienst das Gebäude im Jahr 2025 vor einem Umbau. Bereits Jahre zuvor durchgeführte Altersbestimmungen der Bauhölzer (Dendrochronologie) liessen vermuten, dass man hier eines der ältesten ländlichen Wohnhäuser im Kanton Bern vor sich hat.
Vom Keller bis zur Firstkammer – alles 562 Jahre alt
Bei der Untersuchung von Bauhölzern aus allen Geschossen konnte das Baujahr 1464 bestimmt werden – das Haus stammt aus dem Spätmittelalter.
Auf einem gemauerten Sockel, welcher einst einen hochwertig verputzten Kellerraum im Westen und einen fassadenseitig zugänglichen Stall umfasste, ruht ein in Blockbautechnik gezimmertes Holzhaus. Im ersten Geschoss befindet sich eine breite, nur von einem schmalen Nebenraum gesäumte Stube, welche im 17. Jahrhundert mit einem qualitätsvollen Pappeltäfer ausgestattet wurde. Die beiden Kammern im zweiten Geschoss sind identisch dimensioniert. Darüber liegt mittig die Firstkammer, ein niedriger Raum direkt unter dem Dach mit einem kleinen Fenster im Giebel. Den rückwärtigen Hausteil nahm eine bis unters Dach offene Rauchküche ein.
Ein Türschloss wie aus einer Burg
Doch der Zugang zur Firstkammer gibt weiterhin Rätsel auf. Ungewöhnlich ist sowohl, wie die Türe an der Wand angebracht wurde, als auch ihr kunstvolles Türschloss. Das eiserne Schloss, dessen Schlüssel noch vorhanden ist, mutet in Form und Dekor gotisch an. Es passt also zur Datierung von Türblatt und Firstkammer. Vergleichbare Türschlösser des späten 15. oder frühen 16. Jahrhunderts stammen aus herrschaftlichen oder sakralen Bauten – etwa Burgen oder Kirchen.
Wertsachen wie wichtige Dokumente, die Aussteuer oder Kleider wurden im ländlichen Raum in mobilen Truhen oder in abschliessbaren Speichern bei den Feldfrüchten abseits des stets brandgefährdeten Wohnhauses verwahrt. Freistehende Speicher mussten vor dem Zugriff Fremder geschützt werden. Warum aber ein verschlossener Raum im Innersten des Hauses? So bleibt die spannendste Frage nach dieser Untersuchung offen: was wurde in dieser Firstkammer in Brienzwiler, hinter Schloss und Riegel, eingeschlossen – und von wem?


