Manchmal träume ich davon, wie es wäre, wenn wir im Amt für Kultur Geld drucken könnten. Die Maschine stünde irgendwo im Keller. In regelmässigen Abständen stiegen wir hinunter und liessen sie rattern: Teuerung, strukturelle Unterfinanzierung in Kulturinstitutionen, unerreichbare Richtgagen bei Projekten? Kein Problem, die Maschine rattert. Höhere Beiträge an Sanierungskosten von denkmalgeschützten Gebäuden? Kein Problem, die Maschine rattert. Ein Investitionsbeitrag, überfällig, an ein Kunstmuseum? Kein Problem, die Maschine rattert.
Tatsächlich liessen sich einige fachliche Herausforderungen und erst recht viele politische Erwartungen mit dieser Kulturgeld-Maschine lösen. Denn: Auch wenn es die Kantonsverfassung vorgibt, dass das Kulturerleben in seiner ganzen Breite gefördert und Kulturdenkmäler geschützt werden sollen, fällt es im Berner Wettbewerb der Staatsinteressen dennoch schwer, die nötigen Finanzmittel für Entwicklungen im Kulturbereich zu gewinnen. Zwar hat – und das ist sehr zu schätzen – kaum jemand etwas gegen Kultur. Im Gegenteil. Aber was darf sie denn kosten?
Im aktuellen Staatsbudget schlagen die kantonale Kulturpflege und Kulturförderung – also die Pflege des gesamten Kulturerbes von mehreren tausend Jahren sowie die Förderung des gegenwärtigen Kulturschaffens und -vermittelns – mit rund einem halben Prozent der Ausgaben zu Buche. Was denn auch bedeutet: Stellt man die Berner Staatsausgaben in einem Kuchendiagramm dar, dann sind die Kulturausgaben kein bisschen sichtbar. Oder ist es Ihnen schon mal gelungen, einen Kuchen in hundert Stücke zu schneiden und diese dann alle nochmals zu halbieren?
Und dennoch: Was mit dem halben Prozent alles möglich ist, macht mich immer wieder staunen – und dankbar. Im Berner Oberland geht gerade ein reicher Musikfestival-Sommer zu Ende. In verschiedenen Städten starten in diesen Tagen die Theater die neue Saison. Und kreuz und quer durch den Kanton haben sich im Hitzesommer die Museen als eigentliche Cool-Spots mit hohem Vermittlungswert bewiesen.
Möglich ist dies mit dem halbierten Kuchen-Hundertstel nur, weil sich Kulturinstitutionen gezielt nicht nur mit sozialer und ökologischer, sondern auch mit ökonomischer Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Sie strecken sich nach der Decke, sind flexibel, kreativ, sie lernen und entwickeln sich weiter. Aber Reserven bilden, das können sie auf diese Weise nicht.
In welchem Keller der Bildungs- und Kulturdirektion sich die Kulturgeld-Druckmaschine befinde, fragen Sie? Ich träume sie zum Greifen nah. Das muss Ihnen als Koordinate reichen. Zugegebenermassen: Ökonomisch nachhaltig ist eine solche Träumerei nicht. Umso wichtiger, dass Sie mit Ihrem Interesse und Ihrer Teilhabe mithelfen, Berner Kultur in Wert zu setzen und im Wert zu halten.
Sibylle Birrer, Vorsteherin Amt für Kultur des Kantons Bern