Bei Leitungsarbeiten in der Tiefenau auf der Engehalbinsel bei Bern hat der Archäologische Dienst des Kantons Bern eine Bronzefibel aus der älteren Eisenzeit entdeckt. Der Fund aus der Zeit um 500 v. Chr. wirft ein neues Licht auf den Beginn der keltischen Besiedlung der Engehalbinsel. Ebenso unterstreicht er die Notwendigkeit einer engen Begleitung der Bautätigkeit in dieser national bedeutenden Fundstelle.
Vom Sommer 2023 bis Frühling 2026 fanden in der Tiefenau in mehreren Etappen ausgedehnte Werkleitungsarbeiten statt. Dabei hat der Archäologische Dienst im Umfeld der Heiligkreuzkirche und südlich des ehemaligen Tiefenauspitals den Bau von rund 1600 Laufmeter Werkleitungen begleitet und den Bodenaufbau an über 40 Stellen dokumentiert.
Eine grossflächige Siedlungsschicht
Besonders eng war die Begleitung direkt südöstlich der Kirche, wo 1967–1971 umfangreiche Reste einer keltischen Siedlung ausgegraben wurden. Auch 2025/26 zeigte sich unter der modernen Strassenkofferung eine grossflächig erhaltene graue Siedlungsschicht. Das daraus geborgene Fundmaterial besteht grösstenteils aus Gefässkeramik der jüngeren Eisenzeit. Im untersten Teil der Schicht wurde im Jahr 2025 zudem eine nur drei Zentimeter grosse Bronzefibel entdeckt. Diese Gewandnadel mit Spiralgewinde und einem Verzierungselement in Form einer Schale oder Pauke stammt vom Ende der älteren Eisenzeit (600–450 v. Chr.). Die zeitliche Einordnung des Fundes wird durch eine Holzkohleprobe bestätigt, welche mittels Radiokarbonmessung in die Zeit von 750–400 v. Chr. datiert werden konnte.
Der Beginn der keltischen Besiedlung
Damit ist die kleine Bronzefibel um einiges älter als die bekannten keltischen Siedlungen auf der Engehalbinsel. Bislang ging man davon aus, dass die keltische Besiedlung in der jüngeren Eisenzeit um 250 v. Chr. nahe dieser Stelle einsetzte. Zwar wurden bereits in den Rettungsgrabungen 1967–1971 einzelne Funde vom Beginn der jüngeren Eisenzeit geborgen. Dank den überraschenden Ergebnissen der soeben abgeschlossenen Werkleitungsbegleitungen gewinnen diese älteren Einzelfunde nun ein neues Gewicht. Im Frühling 2026 sind in der Nähe der Fibel Profilkolonnen und weitere Holzkohleproben entnommen worden. Sie versprechen weitere Erkenntnisse zum Beginn der keltischen Engehalbinsel.

