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Wie macht man eine Unesco-Fundstelle biberfest?

Vor kurzem haben die Kantone Bern und Solothurn Baumassnahmen zum Schutz der Pfahlbauten im Inkwilersee abgeschlossen. Die Unesco-Fundstelle ist vor dem Biber geschützt und bleibt für die nächsten Generationen erhalten: ein Meilenstein in einem komplexen Schutzprojekt des Archäologischen Dienstes.

Seit die Biber sich in den letzten Jahrzehnten ihre Lebensräume an Flüssen, Bächen und Seen zurückholt haben, stellen sie auch für die Archäologie einen neuen Faktor dar. Im Jahr 2018 stellten Mitarbeitende des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern (ADB) fest, dass sich Biber auch auf der grossen Insel im Inkwilersee angesiedelt hatten. Um ihre Burgen auf der Insel zu erreichen, gruben die Tiere ihre Tunnel von unter der Wasseroberfläche mitten durch die archäologische Fundstelle. Prähistorische Hölzer sind für die scharfen Zähne der Nager kein Hindernis. Das Problem: Die Insel gehört als Pfahlbau-Fundstelle der Jungsteinzeit und Bronzezeit zu den Unesco-Welterbestätten.

Die Kantone, eidgenössische Fachstellen, ProNatura, WWF und Birdlife einigten sich auf die Ziele und ein Vorgehen: Die Biber sollen die geschützten archäologischen Zeugnisse nicht weiter beschädigen, dürfen aber an anderen Stellen am See bleiben. Trotz Schutz der Archäologie sollte die Insel künftig als Lebensraum und Brutgebiet für Tiere und Pflanzen, auch für die Biber, erhalten werden.

Die Tauchequipe des ADB hat beim Schutz von Pfahlbauten in den Berner Seen bereits viel Erfahrung gesammelt. Dennoch bedeutete der Erhalt einer ganzen Insel eine neue und nicht alltägliche Herausforderung. Für die Insel im Inkwilersee erarbeiteten die Fachleute eine bisher einzigartige Lösung. Nun ist die Insel nicht nur an Land, sondern auch unter Wasser mit einem Gitter bedeckt – sozusagen mit Nagetiergitter eingepackt.

Die Tauchequipe des ADB testete im Vorfeld, wie die Gitter unter Wasser verlegt und zusammengeheftet werden. Nachdem Forstarbeiter die Insel von ortsfremden Bäumen und Unterholz gerodet hatten, wurden die Biberburgen sorgfältig abgebaut und eingestürzte Tunnel zugeschüttet und ausgeebnet. Nach der flächendeckenden Installation der Gitterbahnen auf der Insel und auf dem Seegrund um die Insel wurden diese überdeckt. Unter Wasser schüttete die Equipe mit Hilfe eines Katamarans mit Klappboden eine Deckschickt aus Kies darüber. Auf und nahe der Insel stellt ein Gemisch von Erde und Häcksel sicher, dass sich keine Tiere im Gitter verfangen. Nun können wieder Bäume und andere Pflanzen wachsen.

Der Biber darf am Inkwilersee bleiben – er hat sich inzwischen schon neue Wohnstätten an anderen Stellen am See gebaut.

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Die grosse Insel im Inkwilersee während der Arbeiten. La grande île du lac d’Inkwil pendant les travaux. Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Johannes Reich
Die Tauchequipe des ADB baut vor dem Einsatz den Kieskatamaran zusammen. L’équipe de plongée du SAB construisant le catamaran destiné à amener le gravier © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Valérie Thorens
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Unter Wasser heften die TaucherInnen die verlegten Nagetiergitter zusammen. Der Einsatz ist zuvor geprobt worden. Les plongeuses et plongeurs assemblant le grillage anti-rongeurs sous l’eau © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Johannes Reich
Die Insel im Inkwilersee war in der Jungsteinzeit und in der Spätbronzezeit bewohnt. Vom nahen Seegrund wurden unter anderem Keramik und Schmuck aus der Spätbronzezeit geborgen. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Daniel Marchand
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