Logo Kanton Bern / Canton de BerneKultur

Vorausschauend

Der kommende Monat bringt nicht nur den Frühling. Sondern auch zweimal die Möglichkeit, händisch – sei es mit rechts, sei es mit links – die nächste Etappe Kulturpolitik mitzubestimmen. Am 29. März sind die Gesamterneuerungswahlen für den Grossrat und den Regierungsrat. Auch mit auf Ihrem Wahlzettel: die zukünftige Direktorin, der zukünftige Direktor für Bildung und Kultur.

Als Amt für Kultur sind wir – mit der Kulturförderung, der Denkmalpflege und dem Archäologische Dienst – ganz der Bevölkerung des Kantons Bern verpflichtet. Das sind mehr als eine Million Menschen. Rund 700'000 davon sind wahlberechtigt. Doch nur rund 30 Prozent, etwas mehr als 200'000 Personen, füllen jeweils ihre Wahlzettel aus. Von der grossen, schweigenden Mehrfach-Mehrheit hingegen wissen wir: nichts.

Diese Tatsache stimmt mich nachdenklich. Zum einen führen die Turbulenzen der Weltlage den Wert von demokratischen Grundfesten immer deutlicher vor Augen. Demokratie will gelebt, geübt, gepflegt werden. Zum anderen aber kann uns als Kulturamt, ganz praktisch im Hier und Jetzt, nachhaltiger Service Public nur gelingen, wenn Dienstleistungen zugunsten der Gesellschaft deren Mehr- und Minderheiten bewusst im Blick haben. Wie soll das gelingen, wenn der grösste Teil der Kantonsbevölkerung im toten Winkel sitzt?

Umso besser, dass es am 8. März schon ein «warm up» gibt bezüglich kulturpolitischer Teilhabe. Nicht mit Listen und Proporz, panachieren und kumulieren wie bei den nachfolgenden Wahlen. Sondern einfach und binär: Ja oder Nein. Denn in der «SRG-Initiative», welche die Halbierung der Beiträge an die Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft beabsichtigt, steckt – auch – viel «impact» auf die Berner Kulturproduktion: Sollen zukünftig Konzertaufnahmen und Festivalübertragungen nur noch hälftig produziert werden? Welche Berner Dokumentar- und Spielfilme kommen noch zustande, wenn die SRG als Mitfinanziererin aus dem Spiel ist?

Tatsächlich würde die Annahme der Halbierungs-Initiative im Kulturbereich insbesondere die Filmbranche hart treffen: Im Rahmen des «Pacte de l’audiovisuel», der alle vier Jahre zwischen SRG und Filmverbänden neu aushandelt wird, fliessen 34 Millionen Franken pro Jahr in die Entwicklung und Herstellung von Serien, Spiel- und Dokumentarfilmen. Als Ergänzung zur kantonalen Berner Filmförderung ist die SRG, zusammen mit dem Bund, die wichtigste Partnerin für die Finanzierung des Berner Filmschaffens. Was also würde fürs filmische Erzählen aus und über Bern übrigbleiben?

Demokratie heisst, auch im Komplexen darauf zu bauen, dass gut informierte Menschen gut informierte Entscheide treffen. Und den kleinen Aufwand nicht scheuen, den Stimm- und Wahlzettel auszufüllen. Das ist zu wichtig, als dass wir nicht alles daransetzen sollten, mehr Menschen dafür zu gewinnen.  

Sibylle Birrer, Vorsteherin Amt für Kultur des Kantons Bern

  • zurück zur Übersicht

Seite teilen